Warum so viele daran scheitern, Normteile zu klassifizieren

Wie Hersteller die häufigsten Fehler bei der Normteileklassifizierung vermeiden können

Wenn man die gigantische Anzahl an Komponenten betrachtet, die sich in der Teilebibliothek eines durchschnittlichen Herstellerunternehmens befinden und wie viele Leute täglich darauf zugreifen, dann ist es kein Wunder wenn irgendwann Chaos und Teile-Missmanagement entsteht. Für die meisten scheint die Lösung dafür ganz einfach zu sein: Erstelle ein simples System zur Klassifikation, basierend auf den physischen Eigenschaften des Teils. Wenn man sich aber genauer mit dem Thema beschäftigt, dann stößt die Implementierung dieses Systems schnell auf Probleme. Dazu zählen z.B. subjektive Kategorien, ungeeignete Suchprozesse und schlechte Integrierbarkeit in die anderen Geschäftsbereiche. Allein der Versuch ein geeignetes Konzept zu finden, um eine so riesige Anzahl von Teilen zu klassifizieren, kann selbst den kühlsten Kopf zum Verzweifeln bringen. Häufig kommt man schließlich zu dem Ergebnis, dass das Klassifikationsprojekt gescheitert ist oder sowieso nur einen begrenzten Mehrwert bietet.

Klassifikationssysteme sind im Alltag überall um uns herum zu finden und für jeden essentiell, der schon einmal etwas logisch ordnen musste. Ein Beispiel, dass die meisten noch aus dem Biologieunterricht kennen dürften, ist die Taxonomie nach Carl von Linne.

Classification after Carl von Linne
Zur Erinnerung: Die Taxonomie nach Linne ist dieses Baumdiagramm, das sich immer weiter in die verschiedenen Reiche, Stämme, Klassen, Ordnungen, Familien, usw. aufspaltet, um die Verwandtschaft von Tieren und Pflanzen zu zeigen.

Ein weiteres bekanntes Klassifikationssystem ist uns aus Bibliotheken bekannt: Das so genannte Dezimal Klassifikationssystem kategorisiert Bücher, indem sie mit einer Zahlenreihe versehen werden, die mit der Art des Buches übereinstimmt. In diesem System gibt es zehn verschiedene Hauptklassen, wie Philosophie, Religion, Gesellschaftswissenschaft, etc. unter die alle Bücher fallen. Danach kommt ein Dezimalpunkt, gefolgt von einer Reihe von Zahlen, die das Buch weiter definieren. So kann man durch die Zuweisung eines inhaltsdefinierenden Codes sich ein beliebiges Thema aussuchen und sicher ein dazu passendes Buch finden.

Decimal Classification System
Die biologische Taxonomie und das Dezimal System sind von ihrer Struktur her den gegenwärtigen Klassifikationsfunktionen für Normteile in modernen CAD Systemen sehr ähnlich. Beginnend mit einer relativ überschaubaren Zahl an Hauptkategorien werden Teile zunächst in grundlegende Kategorien unterteilt und dann kontinuierlich in immer kleinere, spezifische Gruppen sortiert.

Obwohl bisher noch keine universelle Definition zur Kategorisierung von Teilen existiert, gibt es doch ein paar normierte Teile-Klassifikationssysteme, die in der Industrie besonders häufig verwendet werden. Zwei prominente Beispiele sind eCl@ss und UNSPCS. eCl@ss weißt eine sehr detaillierte Organisationsstruktur auf, während UNSPCSC eher eine neutrale Taxonomie verwendet, die Produktklassen und Dienstleistungen mit einbezieht, aber auf Beschreibungen verzichtet. Obwohl es allgemein vier Ebenen für die eCl@ss Klassifikation gibt, beginnt das System auf der obersten Ebene mit 30 verschiedenen Hauptklassen und jede darauffolgende spaltet diese noch um ein vielfaches weiter auf. Es ist leicht zu ersehen, dass hier die Anzahl der möglichen unterschiedlichen Subkategorien schnell aus dem Ruder laufen kann.

Selbst wenn es offensichtlich sein sollte, gibt es keine 100 prozentige Lösung

Probleme treten auf, sobald unklar ist, wie etwas genau klassifiziert werden sollte. Nehmen wir zum Beispiel an, dass ein neues Buch über Sportmedizin in die Bibliothek aufgenommen werden soll. Angefangen bei den breitesten Kategorien stellt sich die Frage, ob das Buch unter Technologie oder Kunst/Freizeit fallen sollte. Was passiert, wenn zwei Personen unterschiedliche Interpretationen haben? Dieses Problem wird auch bei Ihrem Klassifikationsprojekt auftreten.

Obwohl es Regeln geben kann, wie man von oben nach unten klassifiziert, heißt das noch lange nicht, dass auch alle Mitarbeiter diese intuitiv verstehen. Wenn nicht jeder den Gedankengang hinter dem Klassifikationsprozess nachvollziehen kann, wird viel Zeit verschwendet weil die Mitarbeiter ein gesuchtes Teil nicht zeitnah finden können. Das ist der erste Grund warum ihr Klassifikationsprojekt scheitern könnte.

Classification System vs. Intelligent Finding

Ein Klassifikationssystem, das nicht für alle Mitarbeiter intuitive zu bedienen ist, sorgt für Verwirrung beim Erlernen und macht es schwerer etwas zu finden. Beeinträchtigt wird die Effektivität zudem durch die Einstellung “Wenn ich es finden kann, warum sollte jemand anderes damit Probleme haben”. Die begrenzten Suchoptionen reichen oft nicht aus um ein Teil zu finden, das bestimmte Designkriterien erfüllen muss.

Was muss ein Designer unternehmen, um das Teil zu finden, das er benutzen will? Wenn es sich nicht gerade um eine genormte Schraube oder Mutter handelt, ist es nicht unbedingt offensichtlich wohin er sich wenden muss. Häufig werden die Entwickler lieber selber das gewünschte Teil konstruieren, statt lange danach zu suchen. Das wiederum erzeugt Probleme durch bereits im System vorhandene Dubletten.

Zu guter Letzt fehlt vielen Normteileklassifizierungssystemen die Integration in andere Unternehmensprozesse wie Einkauf und Logistik. Diese Kommunikation ist essentiell für das generelle Produktdesign. Mängel in der Kommunikation können zudem sehr kostspielig sein, wenn ein Fehler erst spät in der Entwicklung bemerkt wird. Ein Programm, das den Ingenieuren einen Überblick gibt, ob ein Produkt freigegeben ist bevor es implementiert wird, spart daher viel Zeit und vermeidet Chaos.

Es gibt einen Grund, warum nicht jeder das Dezimalsystem verwenden muss, um in der Bibliothek sein Buch zu finden: Mittlerweile wurde es in fast jeder Bibliothek durch viel schnellere und einfachere Suchmethoden für den Computer ersetzt. Computer Aided Design (CAD) ist noch eine vergleichsweise junge Technologie in der Ingenieurswelt und es braucht eine gewisse Zeit bis sich die Probleme der Teilevielfalt überwältigend bemerkbar machen. Aber dieser Zeitpunkt rückt schnell näher. Ohne Aufgeschlossenheit für mögliche Lösungen werden die Probleme gegenwärtiger Klassifizierungssysteme schnell im selben Maße wachsen, wie auch die Teilebibliotheken anschwellen. Ingenieure wünschen sich eine Möglichkeit, Teile schnell aufzuspüren, hatten aber bis vor kurzem nicht die geeigneten Werkzeuge dazu.

Glücklicherweise gibt es neue Lösungen für diese Probleme, die aus einer Kombination von Klassifizierung und fortschrittlichen Suchmethoden bestehen und so nutzerfreundliches und intuitiv verständliches Teilemanagement ermöglichen. Wie Albert Einstein sagte: “Wenn du immer nur das tust, was du immer getan hast, wirst du auch nur das bekommen, was du immer bekommen hast.”

Einen Vergleich der Methoden Klassifikation VS. Intelligent Finden können Sie hier einsehen: www.cadenas.de/geometrische-aehnlichkeitssuche/klassifikation-vs-intelligent-finden

Weitere Informationen zu Intelligent Finden gibt es unter www.cadenas.de/geometrische-aehnlichkeitssuche/intelligent-finden und zu Klassifikation unter www.cadenas.de/geometrische-aehnlichkeitssuche/klassifikation-stammdaten/werkzeuge

Mehr Informationen und Motivation zu Strategischem Teilemanagement finden Sie hier: www.cadenas.de/strategisches-teilemanagement/motivation

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